Tour: Steinwander Hochalm und Möllkopf (Österreich)

Tour: Steinwander Hochalm und Möllkopf (Österreich)

November 8, 2016 1 Von AnneAnke

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Eine spannende Tour für Abenteuerlustige, denn Orientierungssinn ist gefragt, aber dafür auch Abgeschiedenheit garantiert. Mit der Steinwander Hochalm auf knapp 2000m erlebt man ein schönes Beispiel für eine noch genutzte Almsiedlung, der Möllkopf bietet fantastische Weitblicke auf den Nationalpark Hohe Tauern und den Großglockner. Wer zudem Glück hat, wird mit Pilzen geradezu überschüttet!

Kärnten ist das südlichste Bundesland Österreichs und als Urlaubsziel sehr beliebt – vor allem bei Holländern, die eigentlich überall da zu finden sind, wo die KärntenCard sie hinlockt. Dementsprechend sind manche Ecken als touristisch übererschlossen zu bezeichnen, während andere wie die Kreuzberggruppe südlich des Nationalparks Hohe Tauern im Dornröschenschlaf liegen. Keine hohen Gipfel,  keine spektakulären Gletscher und vor allem fast keine Bergbahnen: ergo wenig Touristen, und wenn dann welche, die sich die Abgeschiedenheit hier ausgesucht haben.

Abgeschieden ist es also, und das merkt man spätestens wenn es losgeht: die Wege sind wenig bis gar nicht markiert, überwuchert oder nicht mehr existent. Wer also schon immer mal navigieren mit Karte und GPS üben wollte, ist hier definitiv richtig ;-)!

Los geht’s bereits abenteuerlich auf dem Weg zum Parkplatz: man biegt in eine Privatstraße der Kelag AG (Stromanbieter in Österreich) ab, die mit Hinweisschildern und Schranken nicht spart. Privatbenutzung wird allerdings toleriert, also kann man sich auf der nicht sehr breiten Straße vorwärtswagen, bis man kurz vor der Brücke zur Steinwander Alm rechts an der Straße ein paar Parkmöglichkeiten findet. Hier steht auch eines der wenigen verstreuten Hinweisschilder, das einen über die Brücke lotst (schnell gehen ist angesagt: der Bach kann jederzeit geflutet werden!).

Durch die Talsiedlung der Steinwander Alm auf ca. 1100m folgt man erst dem breiten Fahrweg nach links bergan und dann über die Wiese weglos aus dem Dorf hinaus, bis man eine kleine, sumpfige Wegspur findet. Dieser folgt man nun im Prinzip bis ganz nach oben, wobei man immer wieder auf die Fahrstraße trifft. Falls man den Weg mal überhaupt nicht mehr erspähen kann, ist die immer noch eine letzte Option, wenn auch deutlich länger.

Durch schönen Wald mit vielen, vielen Pilzsammelmöglichkeiten steigt man langsam auf und erreicht schließlich auf einer breiten Lichtung einen schönen Rastplatz mit einer urigen Bank aus einem großen Baumstamm. Hier hat man erstmals Blick auf die anderen Gipfel der Kreuzeckgruppe, die relativ unbekannt aber nichtsdestotrotz imposant sind.

Das letzte Stück bis zur Hochalm legt man auf dem Fahrweg zurück, biegt um die letzte Kurve und wird vom Anblick eines kleinen, gepflegten Almendorfs begrüßt, das nicht nur Kulisse ist: hier auf 2030m leben und arbeiten den Sommer über Menschen. Die Siedlung ist eine Mischung aus alten und neuen Häusern, es laufen Ziegen frei herum und von der Bank am Kreuz bietet sich ein wunderbarer Blick auf den nahen Nationalpark auf der anderen Seite des Mölltales. Bei besonders klarem Wetter erhascht man einen Blick auf den höchsten Bergs Österreichs, den Großglockner.

Nach einer ausgiebigen Rast geht es weiter mit der Wegsuche, dieses Mal auf der anderen Seite des Dorfes. Der Weg zum Möllkopf biegt beim/im Bach nach rechts ab und verläuft dann eine Weile oberhalb des Fahrwegs Richtung Norden. Oben am Bach überquert man geradeaus eine Wiese. Durch niedrige Büsche folgt man dann einer mal mehr, mal weniger deutlichen Spur östlich haltend bergauf und tut gut dran, sich den Rückweg immer wieder anhand von markanten Landschaftsmerkmalen einzuprägen.

Von der Bettlerscharte, die man nach ca. einer Stunde erreicht, kann man einen Tiefblick ins Tal des Raggabachs werfen (die bekannte Raggaschlucht ist weiter talwärts). Weiter geht man weglos, aber unschwierig an der Kante entlang zum Möllkopf (2397m) und bekommt dort einen noch umfassenderen Blick unter anderem auf den Polinik, den höchsten Berg der Kreuzberggruppe mit 2784m.

Wer genug hat vom Wege suchen, der geht genau den gleichen Weg wieder zurück. Für alle, die noch können, bieten sich zwei Alternativen an:

a) zurück zur Hochalm und von dort den nordwestlichen Weg zur Klenalm nehmen. Das führt in einem Bogen wieder auf den Aufstiegsweg zurück.

b) von der Hochalm ein kurzes Stück zurück den Weg, den man kam und dann dem Hinweis auf dem Felsen zur Gronalm folgen. Der schöne Weg führt nach Süden am Hang entlang, quert zwei Bäche (je nach Wasserstand etwas schwierig) und ist besser zu finden – bis er kurz vor der Gronalm buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht wurde, er endet nämlich abrupt an einem neuen Viehzaun. Er musste einer breiten, brandneuen Straße weichen, die einen zwar problemlos zur Gronalm bringt, dann aber völlig im Regen stehen lässt, denn von dort gibt es keine Wanderwege mehr. Man kann versuchen, sich anhand der spärlichen Markierungen durch den Wald zu schlagen (so gut wie weglos – nur zu empfehlen, wer sich das wirklich zutraut). Oder man läuft auf der breiten Straße zurück und lässt sich von ihr zur Fahrstraße der Steinwander Hochalm bringen, von der aus man wieder an den Ausgangspunkt kommt.

Info

  • Länge: ca. 15km
  • Aufstieg/Abstieg: ca. 1600Hm
  • Höchster Punkt: 2397m
  • Typ: Rundweg; beide Laufrichtungen möglich
  • Start/Ziel: Parkplatz an der Straße zum Kraftwerk der Kelag. Talort Pußtratten/Stall im Mölltal, nächstgrößerer Ort Flattach, Kärnten
  • Anforderungen: Wanderung mit leichten technischen Herausforderungen (am Grat etwas ausgesetzt), T2. Wege sind schwer zu finden – Orientierungssinn erforderlich.
  • Beste Jahreszeit: Mai bis September