Tour: Durch die Hintertür auf den Hinterrugg (Toggenburg)

Tour: Durch die Hintertür auf den Hinterrugg (Toggenburg)

Juni 18, 2018 0 Von AnneAnke

Dass eine Tour auf langweilige Berge nicht langweilig sein muss, bekommt hautnah mit wer dem Hinterrugg durch die Hintertür aufs Dach steigt!

Das besondere an den Churfirsten im Toggenburg ist ihre Gestalt: sie sind von Norden her alle langgezogene Plateaus und damit leicht zu besteigen, fallen dafür aber nach Süden senkrecht fast 1,5 km (!) zum Walensee unterhalb ab – der Blick lohnt sich also. Der Hinterrugg ist zwar der Höchste (2306 m), wird aber meistens über den Chäserrugg (mit Bergbahn) bestiegen, an dem er sozusagen “dranhängt”.

So weit, so unspannend, mag man jetzt denken. Doch in diesem Fall ist nicht der bzw. die Gipfel das Ziel, sondern die abwechslungsreichen Wege, die sie verbinden. Zwischen Hinterrugg, Chäserrugg und Gamserrugg, die drei “Langweiler” der Churfirsten, befinden sich faszinierende Karstgebiete von schroffer Schönheit und erstaunlich alpines Terrain, was man ihnen gar nicht zugetraut hätte.

Los geht’s

Die Tour startet in Unterwasser an der Talstation der Bergbahn. Hier hat man die Möglichkeit, die ersten 500 Hm bis zur Alpe Sellamatt mit dem Lift zu überbrücken. Wer zu Fuß läuft, darf erst noch über Kuhweiden und durch einen schönen Wald auf erfreulich schmalen Pfaden aufsteigen.

Von Sellamatt folgt man den Wegweisern Richtung Hinterrugg, bis man schon anfängt, ihm auf dem direkten Weg auf den Buckel zu steigen. Hier darf man die Abzweigung ins Gluristal nicht verpassen, die nach rechts in den etwas düsteren Wald führt. Der Pfad wird schmaler und geleitet durch üppige Alpenflora aus Sauerampfer, Alpendost und Hahnenfuß zu den Gebäuden der Alpe Gluris.

Durch das schöne Gluristal

Ab hier wird der Weg immer schöner: er windet sich rechts an den Felswänden des Berges entlang in das Kar zwischen Hinterrugg und Schibenstoll, das sich langsam weitet und immer schroffer und felsiger wird. Meistens liegt hier noch bis in den Frühsommer Schnee, so dass einige Altschneefelder zu überqueren sind. Besonders schön ist der Anblick der gerade erst geschlüpften Alpenglöckchen und Schlüsselblumen, da wo der Schnee vor nicht allzu langer Zeit noch lag.

Der Pfad wird steiler und bald steht man im Sattel zwischen den beiden Bergen. Hier lohnt sich ein Abstecher nach rechts für alle, die schwindelfrei sind, denn es bieten sich bereits jetzt atemberaubende Tiefblicke auf den Walensee. Wer gute Augen hat, erkennt möglicherweise unterhalb der Felsen den abenteuerlichen “Schnüerliweg” und ein paar Gämsen, mit vier oder zwei Beinen…

Endlich oben – oder?

Jetzt sind es “nur” noch knapp 300 Hm durch den Grashang in sich etwas ziehenden Serpentinen auf das flache Gipfelplateau. Am besten macht man vor dem Gipfel in Richtung der anderen Churfirsten Pause, denn hier ist der Blick einfach am spektakulärsten. Zeit, die anderen Berge anzuschauen, hat man immer noch genug während man auf der Ebene (das Kreuz ist etwas unterhalb) zum Chäserrugg rüber schlendert, der unverkennbar an seiner Bergstation zu identifizieren ist.

Damit wäre auch Gipfel No. 2 erledigt, und wieder einmal ist der Blick vom Sattel dazwischen am Tollsten: rechts die Rosenböden mit den steil abfallenden, gebänderten Felswänden, dahinter die Alvier-Gruppe und das Rheintal. Links das U-förmige Kar zwischen Hinterrugg und Chäserrugg, in dem die Bergbahn gemächlich fährt – was für ein Blick!

Und wieder runter…

Nun könnte man es sein lassen und mit besagter Bahn ins Tal schweben. Allerdings würde man dann die schöne, vom Trubel des Gipfelrestaurants völlig losgelöste Ebene zwischen Chäserrugg und Gamserrugg verpassen, die überraschenderweise sogar damit klar kommt, im Winter eine Naturskipiste zu sein. Am auffälligsten ist das, wenn man versucht, über die Schneereste elegant abzufahren und feststellt, dass Skifahren mit Ski deutlich mehr Spaß macht…

Dann aber ist man in einer Hochebene voller kleiner Moorseeaugen und wabenförmig verwitterter Felsen angekommen, die an Maya-Pyramiden erinnern. Bis zum Sattel des Gamserrugg darf man hier staunenden Auges durchwandern und freut sich schon auf das, was langsam links ins Blickfeld rückt, nämlich das nächste Kargebiet.

Kar-Kunst

Während die Wege beim Gamserrugg das Wandererherz nicht höher schlagen lassen, ist der Abschnitt zur Alpe Plisa ein wahrer Höhepunkt. Man wandert auf, zwischen, über und neben Felsen, die aussehen, als hätte sich Gaudí höchstpersönlich ausgetobt. Wellige Formen, filigrane Brücken, geschwungene Buckel und messerscharfte Grate wechseln sich ab, man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Irgendwann ist leider auch dieser Abschnitt vorbei und man läuft in einem kleinen Tal bis man bei Hinderrisi nach links wieder in Richtung Chäserrugg abbiegt. Unter den imposanten (und steinschlaggefährdeten) Wänden hindurch steigt man nun wieder umgeben von reichlich blühenden Alpenpflanzen hinab zur Bergstation Iltios.

Das letzte Stück

Wer möchte (und früh genug dran ist), kann hier die Standseilbahn nach Wildhaus nehmen und dann mit dem Postauto zurück nach Unterwasser fahren. Alle anderen nehmen den Weg über die Wiese Richtung Egg (Abzweigung nach Sellamatt ignorieren) und laufen durch den Bauernwald, einen Fahrweg querend, traumhaft schön zurück auf den Aufstiegsweg und von da zum Auto.

Bilder

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  • Länge: ca. 18,5 km
  • Aufstieg/Abstieg: ca. 1500 Hm
  • Höchster Punkt: ca.  2306m
  • Typ: Rundweg
  • Start/Ziel: Parkplatz der Bergbahn in Unterwasser, Toggenburg, Schweiz
  • Anforderungen: lange und anstrengende Wanderung ohne technische Schwierigkeiten, ein Mindestmaß an Schwindelfreiheit sollte vorhanden sein
  • Beste Jahreszeit: Juni bis September